Wer bin ich? Du bist, was Du tust.

Unsere Taten gestalten unser Leben und damit das, was wir als Selbst bezeichnen. Unser Selbst entscheidet sich zu diesen Taten, um sich so gut wie möglich auszudrücken. Um letztlich in der Realität vorzufinden, was wir im tiefsten Inneren als unseren Kern wahrnehmen. Wir tun und wir unterlassen noch weit mehr. Wieso ist es so schwer zu tun, wonach sich unser „wahres Selbst” sehnt?

Taten entstammen Gefühlen

Alles was wir tun, ist letztlich das Ergebnis von Gefühlen. Denn zuerst fühlen wir und dann denken wir. Und das seit unserer Zeugung. (Deshalb gibt es auch keine rationalen Entscheidungen.) Wie wir Fühlen und Denken, speist sich aus den eigenen Erfahrungen und jenen anderer. Aus dem Vorbild anderer und erworbenem Wissen. Aus dem Erforschen von Für und Wieder. Sie gründen sich zum Großteil aus unserem reichhaltigen persönlichen und kollektiven Unbewussten (C. G. Jung).

Mit jeder Tat geben wir unserem Leben einen ganz bestimmten Impuls

Hinter jeder Tat, hinter jeder Entscheidung, verbirgt sich ein Universum an innerer unbewusster Auseinandersetzung mit uns selbst. Denn jede Entscheidung führt uns zu unseren zum Großteil unbewussten Lebenszielen. Jedes Tun ist gleichzeitig die Entscheidung das Allermeiste nicht zu tun. So gestaltet sich unser Weg, der in jedem Fall mit dem Tod eine rigorose Änderung erfährt. Wir arbeiten hin auf dieses tödliche „Ende” ohne bewusst zu wissen wozu. Im bewussten Denken vermuten wir und hoffen vielleicht, dass es nach dem Tod irgendwie weiter geht. Vielleicht ist dies nur eine Hoffnung unser Leben sei nicht sinnlos und nicht bloß ein Wimpernschlag im Wimpernschlag der Existenz der Erde unseres Sonnensystems und des Universums selbst?

So gestaltet sich unser Bild das wir und andere von uns haben

Es ist entstanden aus allem was wir taten. Es vervollständigt sich mit dem Bild unserer Erscheinung. Wir zeigen in vielen tausend Winzigkeiten unserer Erscheinung, unserer Blicke, Gestiken, Mimiken, unserer Haltung, dem Klang unserer Stimme, ob wir uns innerlich aktiv auf den anderen und das Leben zugehen oder passiv geschehen lassen, unserer Meinung von uns selbst usw., wer wir sind. Mit diesen Taten und unserer Erscheinung, die uns tagtäglich im Spiegel begegnet, gehen wir auf die Welt zu. Entsprechend diesen begegnet uns die Welt.

Du bist, was Du unterlässt.

Was wir unterlassen ist lediglich eine andere Sichtweise auf unsere Taten. Dieses Unterlassen formt vielleicht sogar noch viel mehr unser Leben als unser Tun. Denn mit jeder Wahl etwas zu tun, entscheiden wir uns, die weitaus meisten Alternativen nicht zu tun. Tun ist also eher eine Form des Unterlassens.

Unterlassen macht vieles einfacher:

  • Sich gegen den unfähigen Chef auflehnen? Wieso ihn nicht einfach im Regen stehen lassen?
  • Dem destruktiven Mitarbeiter Beine machen oder loswerden? Wieso ihn nicht einfach „verhungern” lassen?
  • Den frustrierenden Job kündigen? Wieso ihn nicht einfach sein lassen?
  • Den ungeliebten Partner verlassen? Wieso ihn nicht einfach gehen lassen?
  • Den inneren Schweinehund besiegen und zum Joggen in den Regen hinaus gehen? Wieso nicht einfach Couch und Fernseher für eine Stunde in Ruhe lassen?
  • Das gesunde Essen wählen? Wieso nicht einfach das Junk-Food anderen überlassen?

„Weg-von” oder „Hin-zu”?

Das Unterlassen ist ein Ausdruck des „Weg von”. Vielen fällt es leichter zu sagen, was sie nicht mögen, als sich festzulegen, was sie mögen. So können wir uns auch dem nähern, was wir eigentlich wollen. Ich nenne dies das „Wegputzen”. Schließen wir alles aus, was wir nicht mögen, bleibt übrig, was wir mögen. Auch, wenn wir das vielleicht so niemals hätten äußern können.

Wieso dann nicht einfach alles unterlassen, was unser Selbst nicht mag?

Ja, das klingt doch nach dem direkten Weg. Einfach das tun, was unser Selbst, unsere Seele sagt. Doch leben wir in einem sozialen System. Und wir wollen die Vorteile dieses Systems so weit als möglich nutzen. Nachteile nehmen wir nur in Kauf, wenn wir mit ihnen Vorteile erreichen können. Und wir sind konditioniert. Wir wissen oft gar nicht, dass wir etwas tun, was unser Selbst tatsächlich gar nicht will. Doch wir erkennen die sozialen Vorteile aus diesem Tun als so gravierend für uns, dass wir glauben, wir tun es aus dem Bedürfnis unseres Selbst heraus. Das sind die falschen Wünsche.

Wie erkennen wir falsche Wünsche?

Wir erkennen sie, wenn wir uns selbst begegnen. Klingt einfach und ist doch so schwer. Uns selbst begegnen können wir auf verschiedene Art und Weise. Genau genommen können wir uns in jedem x-beliebigen Moment selbst begegnen und uns so erkennen.

Diese Fragen führen zu den Bedürfnissen unseres Selbst:

  • Würde ich dies so tun, auch wenn mich niemand dabei sehen, ich niemandem davon berichten könnte und niemand die Auswirkungen meines Tuns je mitbekommen könnte?
  • Würde ich dies so tun, wenn ich damit keine Hoffnungen, Erwartungen oder Ängste befriedigen könnte?
  • Gehen mir vor/beim Tun Glaubenssätze durch den Kopf wie: „Das gehört wirklich mal wieder erledigt.”, „Wie sieht denn das aus, das geht ja so gar nicht.”, „Das muss schneller gehen.”, „Das nervt.”, „Um diese Uhrzeit Hunger haben/ arbeiten/ schlafen/ ein Buch lesen/ duschen usw.?” Alles, was wir gewohnt sind zu tun und als „richtig” erachten, dafür gibt es auf der Welt immer Menschen, die exakt das Gegenteil tun und mindestens genauso lange/ gut/ gesund/ glücklich/ erfolgreich/ usw. leben wie wir.

Antworten auf Fragen wie diese erschließen wir uns im Seminar „Erinnere Dich an Dich!“ Denn gerade hoch wirksame innere Bremsen erkennen wir selbst nicht.

Lieber das bekannte Leid als das unbekannte Glück?
Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach?

All unser Tun macht für uns Sinn. Auch, wenn wir es mit unserem bewussten Denken nicht verstehen.

  • Quälen wir uns täglich in einen Job, ziehen wir die empfundenen Qualen den befürchteten Nachteilen eines Jobwechsels vor oder haben Angst, uns einem unbekannten Wettbewerb zu stellen.
  • Springen wir von einem Job zum nächsten ohne bewusste Strategie, gehen wir der Frage aus dem Weg, welche unsere tatsächliche Aufgabe ist.
  • Halten wir eine nicht erfüllende Beziehung aufrecht, sind wir zu bequem, scheuen das Risiko vom Regen in die Traufe zu gelangen oder gestehen uns einfach nicht ein, dass jemand anderes nicht unsere Hausaufgaben in Sachen Beziehungsarbeit machen kann.
  • Quälen wir uns durch Diäten und Fitnessprogramme, haben wir uns noch nicht damit auseinander gesetzt, welche die richtige Lebensweise bei Ernährung und Bewegung für uns ist.

Das ist alles nicht schlecht. Wir sind nicht schwach, dumm oder unfähig!

Wir wägen nur in jedem Moment nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip das Für und Wider ab. Manchmal sind wir einfach noch nicht bereit für einen befreienden Schritt. Meist vernebelt uns die Angst die Sinne und wir müssten zunächst die Angst als solche erkennen und ihren Nutzen durchschauen. Dann würde sich das Problem ohnehin schon so gut wie von selbst gelöst haben. Denn gerade die Angst ist es, die wir so schwer erkennen können. Sehr oft meinen wir, keine Angst zu haben. Doch gerade in diesen Momenten zeigt sich eine sehr tief sitzende Angst, die sich sogar durch als positiv empfundenes Tun ausdrückt.

Ich wünsche Dir und mir,

  • dass wir uns erlauben und trauen zu tun, was wir spüren tun zu müssen. Auch, wenn wir nicht verstehen wozu und wohin es uns führen wird.
  • dass wir erkennen, welche Konsequenzen es für unser Leben und den Moment unseres Todes hat, wenn wir tun, was unser innerster Ausdruck ist oder eben was „man” tut.
  • dass wir die Konsequenzen unseres Tuns tragen, auch wenn wir im Moment der Entscheidung diese nicht absehen konnten. Denn alles hat einen Preis. Auch das, was Ausdruck unseres wahren Selbst ist.

Erinnere Dich an Dich!

Jörg Romstötter