Das nervt! Wenn unsere Erwartungen zum Frust-Bumerang werden.

Umstände, die wir uns selbst geschaffen haben, stellen sich gerne irgendwann anders dar, als wir es uns gedacht hatten. Unsere Erwartungen wurden enttäuscht. Enttäuschungen und letztlich Frust können wir nur erleben, wenn wir Erwartungen hatten, die nicht adäquat erfüllt wurden. Bloß, wie können wir uns von Erwartungen lösen und Frust vermeiden?

Mir erging es in letzter Zeit eben so. Am Verhalten meiner beiden Söhne hatte ich zu viel auszusetzen. Ja, es hat mich selbst gestört, dass ich so wenig entspannt auf ihr völlig normales kindliches Verhalten reagierte. Aktiv ging ich in die Gelassenheit. Das funktionierte mal besser, mal weniger gut. Ich erkannte für mich, dass ich enttäuschte Erwartungen aus meiner Arbeit auf die Beziehung zu meinen Kindern projizierte.
Die eigene Familie ist immer ein praktisches Opfer: aus Liebe reagiert sie eine sehr lange Zeit äußerst elastisch auf destruktives Verhalten. Manche Familienmitglieder wehren sich niemals dagegen. Im Gegenteil, sie fühlen sich, mehr oder weniger bewusst, sogar noch schuldig für die schlechte Laune des anderen. Da wird´s dann richtig fatal.
Ich wollte das ändern, doch was ich zu ändern im Stande war, befriedigte mich selbst nicht.
Ich hatte meine beruflichen Enttäuschungen wegen vielleicht überzogener Erwartungen in das Verhalten meiner Kinder übertragen und sie als Auslöser für mein Nicht-entspannt-Sein auserkoren. Kinder können sich, wenn überhaupt, nur subtil wehren: Durch „Ungehorsam”, Krankheit, Bettnässen oder z.B. Gewalt gegenüber anderen/Tieren/Pflanzen.

Eine kleine Reise mit meinem Vater, bei der ich sehr ausgiebig und intensiv an Berg und Meer sportlich unterwegs war, dazu ein schönes berufliches Erlebnis, schenkten mir Gelassenheit, die ich allein mit innerer Arbeit in letzter Zeit nicht zu Stande brachte.
Einmal mehr weiß ich, dass ich trotz Schwierigkeiten gelassen sein könnte. Allerdings haben mir äußere Umstände stark geholfen, diese innere Gelassenheit zu erlangen. Das ist interessant und lässt mich erkennen, welchen Weg an innerer Arbeit ich noch vor mir habe. Ob ich das „Ziel”, unabhängig von äußeren Umständen (positiven wie negativen) reine Gelassenheit zu erlangen je erreiche? Ich glaube, diesen Zustand nennt man Erleuchtung. Will ich überhaupt Erleuchtung oder ist mir nicht auch das Wechselbad der Gefühle beim Menschsein lieb?

Ich fasste für mich zusammen:

Was Du mit Dir selbst erlebst, ist das eigentliche Erleben. Die äußeren Erlebnisse sind nur das sichtbare Ergebnis von dem was zuvor in Dir war.
Was Du während diesem Tun mit Dir selbst erlebt hast, ist das, was Du als Erlebnis für Dich selbst mitnehmen und mit dem Du reifen kannst. Nichts wird bleiben, als das, was Du in Deinem inneren Erleben mit Dir erlebst.

Alles was Du gerne tust, ist Ausdruck Deiner Seele. Auch wenn es im Zuge Deiner Aufgaben und Pflichten ist. Alles was Dir von der Hand geht, was Du tust, weil Du es eben tust, was „wie von Geisterhand” zu Dir kommt, ist ein Ausdruck Deines tiefsten Selbst.

Meine Fragen an mich und uns:

  • Stilisieren wir Umstände zu Klippen an welchen wir zerschellen oder aufwändig herum manövrieren müssen?
  • Was ist, wenn sich, aus welchen Gründen auch immer, die Klippen auflösen? Geht es uns dann rundum gut, oder bauen wir dann Ersatzklippen, um uns mit der Arbeit an Ihnen nur ja vom eigentlichen Problem – Wir folgen nicht unserem Herzen – abzulenken?

Im Beruf

Ist der Job/ die Firma tatsächlich „nicht das Richtige” für uns? Oder finden wir vielleicht in einem anderen Lebensbereich einfach nicht unsere Mitte und übertragen bloß diese Querele auf ein Objekt, das sich nicht wehren kann?

In der Beziehung

Ist der Partner tatsächlich „plötzlich” so nervend? Oder haben wir uns nicht schon länger etwas vor gemacht und uns mit Hoffnungen getröstet? Reiben wir uns nicht eher mit Persönlichkeitsanteilen in uns selbst, die uns der Partner durch sein Verhalten lediglich spiegelt? Wäre es nicht schlauer, uns mit genau diesen „nervenden” Anteilen in uns auseinanderzusetzen? Sie vielleicht anzunehmen oder gar schätzen zu lernen und die Vorteile aus ihnen für uns zu erkennen, als sie unserem Partner vorzuwerfen?

Bei unserem Körper

Gleichgültig ob Masse, Maße, Proportionen, Farbe, Merkmale, Gesundheit oder Fitness. Weshalb unser Körper ist wie er eben ist, dafür können wir qua genetischem Erbe überwiegend nichts. An Unabänderlichem herum zu mäken ist Unsinn und fatal: Wir lernen uns in Teilen abzulehnen, was auf andere Bereiche in Körper, Geist und Seele abfärbt.
Gleichzeitig können wir sehr viel dafür, wie sich unser Körper in den eingangs genannten Merkmalen über die Jahre verändert hat, wie er heute aussieht und über welche Fähigkeiten er verfügt.
Erst der Vergleich mit anderen tötet die Zufriedenheit mit unserem Körper. Wer sagt denn, was „schön” ist und ab wann wir „fit” sind? Woher will jemand anderes wissen, wie sich der Körper anfühlen muss, in dem wir uns restlos wohl fühlen? Bloß weil irgendwelche Sportler jene Zahlen aufweisen? Lenkt nicht das permanente Herumnörgeln an unserer Erscheinung, dem herumtheoretisierenden Für und Wider, was bei Ernährung, Kosmetik oder Bewegung gut oder schlecht für uns ist vom Wesentlichen ab: Dem Wohlfühlen im eigenen Körper und damit im eigenen Leben?

  • Wie wollen wir uns im Leben zu hause und angekommen fühlen, wenn wir schon unseren Körper, sein Aussehen und seine Fähigkeiten ablehnen?
  • Kein einziger Mensch auf der Welt kann Zeit seines Lebens so sein, wie es die Mode vorgibt. Allein genetisch schon nicht. (Heute ist ein Vollbart hip. In ein paar Jahren epilieren sich die Männer im Gesicht, weil ein Bubi-Face „in” ist?)
  • Würden wir uns wirklich rundum wohl in unserem Körper fühlen, wenn wir exakt dem Trend entsprechen und ausschließlich essen was soooo gesund ist?

Diese Fragen oder Ansichten mögen nicht neu sein. Doch geht es darum? Müssen wir immer neue Methoden entwickeln, die uns angeblich noch mehr „bringen”? Oder sollten wir nicht vielleicht doch lieber „alte” Methoden einfach mal anwenden, bis sich wirklich erwünschte Entwicklungen abzeichnen? Vielleicht ist die Jagd nach neuen Methoden auch nur eine schlaue Ablenkungen vor der eigentlichen Arbeit an uns selbst. Zugegeben, die schwerste Arbeit, die sich auf diesem Planeten finden lässt.

Eine Kernfrage unserer Seminararbeit bei Erinnere Dich an Dich!: „Was würde das Kind, das Du damals warst, zu dem Menschen sagen, der Du heute bist?”

Erinnere Dich an Dich!

Dein

Jörg Romstötter